DS 3 HYBRID (2025) IM TEST: TEILZEITELEKTRIKER MIT PREMIUMANSPRUCH

Ein Mildhybrid, der fast wie ein Vollhybrid fährt, eine Premiummarke, die sich nicht entscheiden kann, ob sie Avantgarde oder nur extravagant sein will – und ein Kompakt-SUV, das bei Design und Ausstattung klotzt, aber bei manchen Alltagsdetails patzt: Der DS 3 Hybrid ist ein Fahrzeug voller Widersprüche. Und genau deshalb ein interessantes Testobjekt.

Schnelle Daten DS 3 Hybrid (2025)
Segment kompakter Crossover im B-Segment
Motor 1,2 Liter Dreizylinder-Turbo mit 48V-Hybrid
Leistung 107 kW / 145 PS
Länge × Breite × Höhe 4.118 × 1.791 × 1.536 mm
0 - 100 km/h 8,4 Sek
Höchstgeschwindigkeit 196 km/h
Preis ab 38.790 (Etoile)

DS Automobiles stammt ursprünglich von Citroën, will aber längst mehr sein als nur ein edles Derivat. Die Positionierung erinnert an das Prinzip von Cupra, wo man sich von Seat emanzipiert hat – allerdings mit deutlich mehr Markterfolg. DS hingegen bleibt trotz betont französischer Inszenierung und Formel-E-Glamour ein Nischenphänomen. Dass sich Premium nicht einfach herbeireden lässt, haben zuvor schon Marken wie Infiniti, Lexus oder Genesis erfahren müssen. Auch sie taten sich in Deutschland schwer – trotz beachtlicher Produkte.

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Exterieur

Der DS 3 ist schwer einzuordnen: Ist er ein SUV? Ein Crossover? Oder doch einfach ein kompakter Stadtwagen mit aufgebockter Haltung? Die Bodenfreiheit ist eher bescheiden, die Silhouette gedrungen. Die Front zeigt sich scharf gezeichnet mit markanter Lichtsignatur (zumindest wenn man das Häkchen bei den teuren Adaptivscheinwerfer setzt), vertikalen Tagfahrlichtern und aufwendig gestaltetem Grill. Das Heck ist kurz, aber nicht unförmig, und ebenfalls schön detailliert. Der Testwagen kommt in "Artense-Grau" mit schwarzem Dach und 18-Zoll-Felgen im Design "Nizza" – eine recht stilvolle Kombination.

Bild von: Motor1.com
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Was weniger gefällt, ist die Seitenlinie. Der eigenwillige, hochgezogene Fladen in der B-Säule – offiziell wohl ein Zitat historischer DS-Designs – wirkt deplatziert und willkürlich, fast wie ein übrig gebliebenes Stück Tarnung eines Erlkönigs. Eine Art Design-Signatur ohne Funktion, dafür mit maximalem Stirnrunzelfaktor. Was soll das? Auch wenn der DS 3 gern extravagant wäre – das hier ist eher extravagant um ihrer selbst willen. Und hat auch noch einen handfesten Nachteil, denn der in der Stadt nötige Schulterblick hinsichtlich Radfahrer wird so stark behindert.

Extravagant sind auch die Türgriffe, die bündig in die Flanke eingelassen sind und nur bei Bedarf ausfahren. Zumindest sind sie dann besser zu greifen und zu bedienen als ihre Pendants zum Beispiel bei Mercedes, die ja bekanntlich gern hakeln. Trotzdem sammelt sich auch hier bei Regen jede Menge Drecksuppe in den Griffen und bleibt dort auch noch viele Stunden später, sodass man dann mit matschigen Händen rechnen muss.

Bild von: Motor1.com
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Interieur

Der Innenraum ist für diese Fahrzeugklasse überraschend hochwertig gestaltet. Das optionale Étoile-Nappaleder in "Criollo Braun" mit dem markentypischen Uhrenarmband-Muster, das einen auf Vintage macht, sieht nicht nur gut aus, sondern fühlt sich auch entsprechend an. Viel weiches Material, solide Anmutung, dezente Lichtinszenierung.

Untenrum allerdings viel Hartplastik, das den edlen Eindruck ein wenig stört. Das alles erinnert ein wenig an die legendären "Baccara"-Modelle von Konkurrent Renault aus den 1990er Jahren. Erinnern Sie sich an den biederen Clio 1, der als "Baccara" mit knautschigem Leder, Edelholz & Co der erste Premium-Kleinwagen war?

Renault Clio Baccara

DS 3 Hybrid (2025) im Test

Bild von: Motor1.com

Die Bedienung bietet Licht und Schatten. Positiv: Es gibt noch echte Tasten. Negativ: Die sind wild verteilt, teilweise schwer auffindbar. Völlig absurd: Die Fensterhebertasten befinden sich in der Mittelkonsole. Das ist nicht nur unergonomisch, sondern schlicht unnötig kompliziert. Das Head-up-Display mit ausfahrbarer Plexiglasscheibe wirkt wie ein Relikt aus der Gadgetspielhölle der 2000er und lenkt eher ab als dass es hilft.

Lustig: Das Ding wirkt noch billiger als im gerade getesteten Mini (und das will was heißen), wo das Ganze nicht nur eine technische Notwendigkeit (steile Frontscheibe) hat, sondern wegen des Fehlens einer Instrumententafel auch einen informativen Mehrwert bietet.

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Im DS 3 hingegen blickt man durch das Lenkrad auf ein Fahrerdisplay mit vielen Infos. Da kann das Plexiglas darüber gern eingeklappt bleiben. Warum sich der Bordcomputer sich immer nur kurz einblenden lässt, erschließt sich uns leider nicht. 

Gut gelungen: die Kartendarstellung im digitalen Kombiinstrument, sehr übersichtlich und hochauflösend. Auch die kabellose Einbindung von Android Auto und Apple CarPlay funktioniert tadellos. Die Klangqualität der optionalen Focal-Anlage ist ordentlich, die Bedienung der entsprechenden Menüs aber überladen.

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Vorne herrscht üppig Platz in alle Richtungen, viel Kopffreiheit, akzeptable Ellbogenfreiheit. Hinten dagegen wird’s eng. Wirklich eng. Sitzt vorne ein 1,87 Meter großer Fahrer, ist hinten so gut wie kein Knieraum mehr vorhanden. Das können viele Konkurrenten besser. Der Kofferraum ist mit 350 Litern für diese Klasse wiederum ordentlich geschnitten.

Die Sitzposition ist leider verbesserungswürdig: zu hoch, zu steil, das Lenkrad zu weit weg. Wer normal sitzt, hat krumme Beine oder weit ausgestreckte Arme. Seitenhalt? Kaum vorhanden. Die Sitze selbst sind bequem, aber etwas seltsam konturiert, sie drücken an ungewohnten Stellen.

Abmessungen DS 3 Hybrid (2025)
Länge 4.118 mm
Breite 1.791 nn
Höhe 1.536 mm
Radstand 2.558 mm
Leergewicht 1.297 kg
Kofferraum 350 - 1.050 Liter
Anhängelast 1.200 kg

Antrieb

Der neue Hybridantrieb kombiniert einen 100 kW starken Dreizylinder-Benziner (1.199 cm³, 136 PS) mit einem 21 kW starken Elektromotor. Macht zusammen 145 PS Systemleistung. Der Strom kommt aus einer 0,9-kWh-Lithium-Ionen-Batterie, die sich rein durch Rekuperation und Generatoraufladung versorgt. Aufgeladen wird also nicht extern, sondern nur intern. Gekoppelt ist das Ganze an ein neues 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (e-DCS6), in das der Elektromotor und die Steuerelektronik integriert sind

Laut Werksangabe liegt der kombinierte Verbrauch bei 5,0 l/100 km. Gar nicht so unrealistisch, denn wir kamen bei vorsichtiger Fahrweise auf Werte unter 6 l/100 km. Verbräuche um 7 Liter sind auch bei strafferer Fahrweise machbar. Hier macht sich das vergleichsweise geringe Gewicht von nicht einmal 1,3 Tonnen sehr positiv bemerkbar!

Bild von: Motor1.com

Fahrbericht

Im Alltag versucht der DS 3 Hybrid konsequent, möglichst viel elektrisch zu fahren. Und das gelingt erstaunlich gut. Laut Anzeige sind in der Stadt bis zu 40% der Strecken rein elektrisch zurückgelegt worden – ohne spürbaren Komfortverlust. Das Umschalten zwischen E- und Verbrennerbetrieb erfolgt völlig unmerklich. Kein Ruck, kein Zucken. So muss Hybrid gehen.

Der Dreizylinder selbst klingt kernig, wie das bei Dreizylindern halt so ist. Leise ist anders. Die Gasannahme ist mitunter etwas träge, vor allem im ECO-Modus. Im SPORT-Modus wird das Ansprechverhalten geschärft, aber auch die Lenkung unnötig schwer. Wirklich sportlich fährt sich der DS 3 Hybrid auch dann nicht. Aber immerhin: Er ist angenehm spritzig unterwegs, und das Getriebe schaltet (meist) unauffällig.

Technische Daten / Fahrleistungen DS 3 Hybrid (2025)
Motor 3-Zylinder-Turbobenziner + Elektromotor
Leistung 100 kW /136 PS (Benziner), 21 kW /28 PS (Elektro), 107 kW / 145 PS (System)
Drehmoment 230 Nm
Batterie 0,9 kWh 
0 - 100 km/h 8,4 Sek
Höchstgeschwindigkeit 196 km/h
Verbrauch (WLTP) 5,0 l/100 km

Was stört, ist ein hochfrequentes Pfeifen im Fahrbetrieb, das wohl vom E-Motor stammt. Je nach Tempo und Last unterschiedlich laut, aber immer präsent. Dazu kommt eine gewisse Anfahrschwäche, gerade beim schnellen Rangieren: Beim Ein- und Ausparken dauert es mitunter nervtötend lange, bis sich was bewegt.

Dass DS trotz Frontantrieb drei Offroad-Modi (Sand, Schlamm, Schnee) ins Menü gepackt hat, wirkt etwas albern. An der Traktionskontrolle wird in diesen Modi sicher etwas gedreht, Allrad ersetzt das aber nicht. Die Lenkung ist im Stadtverkehr angenehm leichtgängig, aber wenig rückmeldungsfreudig. Bei schnellerer Fahrt wird sie nicht wirklich direkter. 

Bild von: Motor1.com

Die teuren Assistenzsysteme wie Abstandstempomat und Spurhalter funktionieren unauffällig, was bei diesen Systemen ja schon fast eine Auszeichnung ist. Abschalten kann man sie über den Touchscreen relativ schnell.

In Sachen Fahrkomfort hat DS ja von Hause aus einen Ruf zu verteidigen. Nun, eine französische Sänfte ist dieser DS 3 nicht wirklich, aber man kann guten Gewissens behaupten, dass er zu den komfortablesten Kompaktwagen derzeit gehört. Die Federung schafft den Spagat zwischen angenehm weich, ohne schaukelig zu sein, sehr gut, bietet aber auch noch genügend Spannung für geringe Seitenneigung in Kurven. Nur das Ansprechverhalten bei kurzen Schlägen könnte sanfter sein. 

Auch akustisch macht der DS 3 eine gute Figur. Vom knurrigen Dreizylinder mal abgesehen dringen kaum störende Geräusche in den Innenraum. Wind und Reifen halten sich vornehm zurück. Gut so!

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Preis

Der getestete DS 3 Hybrid in der Ausstattungslinie ÉTOILE kommt auf einen Listenpreis von 47.440 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Enthalten sind unter anderem 18-Zoll-Felgen, Nappaleder, das DS IRIS-System mit 3D-Navigation, eine Focal-Anlage, Sitzheizung, LED-Scheinwerfer und allerlei Assistenten. Ohne Extras geht "Etoile" bei 38.790 Euro los. 

Im Vergleich zur Konkurrenz wirkt der DS 3 Hybrid damit teuer. Der direkte Premium-Konkurrent Lexus LBX startet ab 32.990 Euro. Zum Vergleich: Ein nackter BMW X1 18i liegt mit knapp 44.000 Euro etwas darüber. Ein Audi Q3 startet ab 38.300 Euro, während ein Mercedes GLA mindestens 43.765 Euro verschlingt. Soviel zu den Premium-Kontrahenten.

Bild von: Motor1.com

Wer es einfacher mag: Ein Toyota Yaris Cross Hybrid ist ab rund 30.000 Euro zu haben, ein Renault Captur E-Tech startet bei unter 32.000 Euro. Selbst ein Kia Niro Hybrid in gehobener Ausstattung bleibt unter 40.000 Euro. Klar: Der DS will Premium sein. Aber ob das rechtfertigt, in Preisregionen eines Mercedes GLA oder BMW X1 vorzustoßen? Fraglich.

Fazit: 7/10

Ein nüchternes Fazit zu ziehen ist überraschend schwierig. Der DS punktet vor allem mit seinem französischen Charme und der extravaganten Optik. Auch das noble Interieur kann überzeugen und Antrieb sowie Fahrwerk machen ihre Sachen gut.

Auf der anderen Seite zeigt der DS 3 aber auch deutliche Schwächen beim Raumangebot und der Sitzposition sowie bei der Bedienung. Man muss also schon einen Faible für französische Autos haben, um sich in den DS 3 zu verlieben, dann sieht man wahrscheinlich auch das gepfefferte Preisschild durch die rosarote Brille.

2025-07-05T07:58:23Z